Bereits zum 15. Mal veranstaltete die Vernetzungsstelle das Forum Qualitätsentwicklung im Rahmen des Berliner Tages der Schulverpflegung. Mit dem Themenschwerpunkt "Schulmittagessen für alle?! Zugänge ermöglichen und eine chancengerechte Ernährungsumgebung schaffen“ richtete sich die Online-Veranstaltung in diesem Jahr gezielt an weiterführende Schulen. Neben Schulleitungen, Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und Eltern nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der Berliner Schul- und Sportämter, des Deutschen Jugendinstituts, der DigitalService GmbH des Bundes und der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd teil.
Als Leiterin und Geschäftsführerin der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e. V. eröffnete und moderierte Manuela Sorg die Veranstaltung. Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie Katharina Günther-Wünsch begrüßte die Teilnehmenden per Videobotschaft. Mit einer Schätzfrage zur Anzahl der Schulmahlzeiten von Schülerinnen und Schülern von der Einschulung bis zum Schulabschluss (ca. 3.000) verdeutlichte die Senatorin, welche wichtige Rolle das Schulmittagessen spielt und bedankte sich für das Engagement aller Beteiligten. Gleichzeitig wies sie darauf hin, dass die Teilnahme am Schulessen in den weiterführenden Schulen nicht nur in Berlin, sondern bundesweit, stark nachlässt.
Im Einstiegsvortrag von Dr. M. Ernestine Tecklenburg, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen tätig ist und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg im Studiengang Ökotrophologie lehrt, wurde deutlich, warum der Zugang zur Schulverpflegung allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht werden muss. Ernährungsarmut tritt in Deutschland bereits bei den Jüngsten auf und kann gesundheitlich und in Bezug auf die Bildungschancen negative Folgen haben. Was Schulverpflegung hier leisten kann, wurde von Dr. Tecklenburg im Vortrag daher genauer betrachtet.
Nach der Pause wurden die Teilnehmenden gebeten folgenden Satz zu vervollständigen: "An der Schulverpflegung würden mehr Schülerinnen und Schüler teilnehmen, wenn..." (siehe Bild). Viele der genannten Aspekte wurden in der anschließenden Talkrunde aufgegriffen. Im Gespräch tauschten sich
- Ikbal Gercik, BuT-Beratung
- Harald Voß, Landeselternausschuss (LEA), AG Schulessen
- Alexandra Renner-Roman, Geschäftsführung GREENs unlimited Berlin GmbH und Vertreterin des Verbandes deutscher Schul- und Kita-Caterer (VDSKC)
gemeinsam mit Manuela Sorg zur Frage "Wie können mehr Kinder und Jugendliche in weiterführenden Schulen Zugang zu einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Ernährung erhalten?" aus.
Ikbal Gercik erläuterte zunächst, wer Anspruch auf BuT-Mittel hat und bestätigte eine große Lücke zwischen Anspruchsberechtigten und der Inanspruchnahme. Als Gründe dafür nannte sie die verbreitete Unkenntnis über einen möglichen Anspruch, Sprachbarrieren, das teilweise komplizierte Verfahren und auch die vorhandene Scham von Berechtigten, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Bei der BuT-Beratungsstelle ist eine kostenlose Beratung in mehreren Sprachen möglich, wofür keine Terminvereinbarung erforderlich ist. Es können auch Schulungen für Muliplikatorinnen und Multiplikatoren angefragt werden. Die Beratungsstelle versendet auf Anfrage (mehrsprachiges) Material, das z.B. bei Elternabenden oder bei Anmeldung von neuen Schülerinnen und Schülern verteilt und ausgelegt werden kann.
Sowohl der VDSKC als auch der LEA fordern ein kostenbeteiligungsfreies Schulessen auch in weiterführenden Schulen, sehen darin aber nicht die einzige Lösung für einen besseren Zugang für Heranwachsende.
"Vor allem die zeitlichen und räumlichen Rahmenbedingungen, also die Pausen- und Mensagestaltung müssen stärker in den Blick genommen werden", betonte Harald Voß vom LEA. "Die Mensa muss als Treffpunkt verstanden werden, an dem sich Schülerinnen und Schüler gerne aufhalten, erholen und miteinander austauschen können."
Zu geringe Teilnehmerzahlen führen an vielen weiterführenden Schulen dazu, dass sich ein Verpflegungsangebot für Caterer dort wirtschaftlich nicht rentiert. Alexandra Renner-Roman sieht einen wichtigen Schlüssel darin, die Jugendlichen stärker einzubeziehen: "Es ist für Caterer wichtig, zu wissen, was Kinder und Jugendliche wollen, eventuell sogar gemeinsam zu überlegen, wie ihre Wünsche für das Schulessen umgesetzt und gleichzeitig die Anforderungen an ein gesundes und nachhaltiges Angebot erfüllt werden können."
Wie durch praxisnahe Bildung und deren Verzahnung mit der Schulverpflegung die Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern verbessert werden kann, wurde abschließend anhand von zwei Beispielen für die Praxis erläutert.
Dazu stellten Manuela Sorg und Brigitte Schulz-Herbener von der Vernetzungsstelle gemeinsam mit Stephanie Grundmann von der TU Berlin zunächst die Modul-Box: Nachhaltige Ernährung - Verzahnung von Bildung und Schulverpflegung in weiterführenden Schulen vor. Die Modul-Box, die seit März 2025 kostenfrei online verfügbar ist, unterstützt Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte sowie Schülerinnen und Schüler bundesweit an weiterführenden Schulen bei der partizipativen Mitgestaltung einer gesundheitsförderlichen und nachhaltigen Schulverpflegung, der Verknüpfung von Bildung und Schulverpflegung sowie dem Transfer hin zu einer Nachhaltigen Ernährung. Das Herzstück der Modul-Box ist der Mensa-Talk, bei dem Schülerinnen und Schüler mit ihrem Essensanbieter ins Gespräch kommen sollen, um besser über das Schulessen Bescheid zu wissen und dieses mitgestalten zu können.
Die Entwicklung der Modul-Box wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen von IN FORM gefördert. Die Vernetzungsstelle wurde dabei von den Projektpartnern TU Berlin, Fachgebiet Bildung für Nachhaltige Ernährung und Lebensmittelwissenschaft und der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e. V. unterstützt. Das Unterrichtsmaterial der Modul-Box ist von den Expertinnen und Experten des Materialkompasses mit der Gesamtnote "sehr gut" bewertet.
Im Rahmen des aktuellen Projekts "Wissen was schmeckt!", das die Vernetzungsstelle gemeinsam mit der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin und Brandenburg e. V. im Rahmen der Berliner Ernährungsstrategie durchführt, werden Fortbildungen für Lehrkräfte und Schülerfirmen in regionalen Betriebe der Lebensmittelerzeugung, -verarbeitung und -vermarktung angeboten. Die Veranstaltungen sollen bioregionale Wertschöpfung erlebbar machen und grüne Berufe ins Interesse junger Menschen rücken.
Die Vernetzungsstelle bedankt sich herzlich bei allen Akteurinnen und Akteuren sowie den Teilnehmenden!

