Wie kann eine Kitaverpflegung aussehen, die Kinder bedarfsdeckend versorgt, die Entwicklung eines gesundheitsförderlichen und nachhaltigen Essverhaltens unterstützt und zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz leistet? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer digitalen Werkstatt, zu der die Vernetzungsstelle Kitaverpflegung Träger, Kita-Leitungen sowie Fachberatungen aus dem Berliner Landesprogramm „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“ am 02.12.2025 eingeladen hatte.
Das Thema lautete: Pflanzenbasiert, gesundheitsfördernd, nachhaltig und genussvoll essen in der Kita – Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis
Ziel war es, Verpflegungsverantwortlichen und pädagogischen Fachkräften praxisnahe Orientierung für eine gesundheitsfördernde, kindgerechte und nachhaltige Ernährung in der Kita zu geben und dabei aktuelle Erkenntnisse aus Ernährungswissenschaft, Nachhaltigkeitsforschung und pädagogischer Praxis zusammenzuführen. Der besondere Fokus lag auf pflanzenbasierten und ggf. veganen Angeboten.
Essen in der Kita: Mehr als Nahrungsaufnahme
Ökotrophologin Edith Gätjen, eine auf das Thema spezialisierte Expertin, führte die Teilnehmenden durch den ersten Teil der Veranstaltung.
Kinder haben einen hohen Nährstoffbedarf und lernen Essen nicht aus Vorgaben, sondern vor allem durch Erfahrungen, Vorbilder und wiederholte Angebote. Ihr Essverhalten wird durch biologische Schutzmechanismen, individuelle Vorlieben und wichtige Entwicklungsaufgaben wie Autonomie und Selbstwirksamkeit geprägt.
Eine zeitgemäße Kitaverpflegung berücksichtigt diese Zusammenhänge und verbindet sie mit pädagogischen Zielen: Sie fördert eine positive Esskultur, stärkt die Eigenverantwortung der Kinder und unterstützt nachhaltige Handlungsweisen im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Pflanzenbasierte Ernährung: Wissenschaftlich gut belegt
Die vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen eindeutig: Eine pflanzenbasierte Ernährung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus und ist zugleich klimafreundlicher als eine Ernährung mit hohem Anteil an tierischen Lebensmitteln. Gerade die Gemeinschaftsverpflegung – und damit auch die Kitaverpflegung – spielt eine zentrale Rolle, da sie Essgewohnheiten prägt, die häufig bis ins Jugend- und Erwachsenenalter bestehen bleiben.
Zu den gesundheitlichen Vorteilen einer pflanzenbetonten Ernährung zählen:
- ein hoher Gehalt an essenziellen Nährstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen
- eine geringere Aufnahme von Energie, gesättigten Fettsäuren und Cholesterin
- ein wissenschaftlich belegtes geringeres Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Werden pflanzliche Mahlzeiten frühzeitig und regelmäßig angeboten, unterstützt dies die Entwicklung langfristig gesundheitsfördernder und nachhaltiger Ernährungsroutinen.
Pflanzenbasiert ist nicht automatisch gesund – die Qualität zählt
Gleichzeitig wurde deutlich: Pflanzlich bedeutet nicht per se gesund. Entscheidend ist die Qualität der Lebensmittelauswahl.
Zwar sind auch Chips, gezuckerte Getränke oder Fruchtgummis pflanzlich, leisten jedoch keinen Beitrag zu einer gesundheitsfördernden Ernährung. Ebenso enthalten viele stark verarbeitete vegane Ersatzprodukte hohe Mengen an Zucker, Fett, Salz sowie Zusatzstoffen. Auch bei angereicherten Lebensmitteln kann die Bioverfügbarkeit der zugesetzten Nährstoffe stark variieren.
Eine abwechslungsreiche, nährstoffdichte Lebensmittelauswahl bleibt daher die Grundlage jeder gesundheitsfördernden pflanzenbasierten Ernährung.
DGE-Qualitätsstandard: Verlässliche Orientierung für die Praxis
Ernährungswissenschaftlerin Ines Kretschmann von der Vernetzungsstelle Kitaverpflegung gab im zweiten Teil der Fortbildung einen Überblick über die Kriterien und Unterstützungsinstrumente des DGE-Qualitätsstandardsfür die Verpflegung in Kitas. Er bietet praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur Lebensmittelqualität, Einsatzhäufigkeit, Speiseplanung und Nachhaltigkeit.
Besonders hervorgehoben wurden:
- übersichtliche Tabellen zu Lebensmittelqualitäten und Verzehrhäufigkeiten
- Orientierungshilfen für eine ovo-lakto-vegetarische Kost und für die Mischkost
- neue Empfehlungen zur Gestaltung veganer Mittagsangebote (Stand: Juni 2024)
Der Qualitätsstandard unterstützt Kitas dabei, ein Verpflegungsangebot zu gestalten, das sowohl den Nährstoffbedarf der Kinder deckt als auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt.
Vegane Mittagsverpflegung: Chancen und Anforderungen
Mit dem aktuellen DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung (2024) liegen erstmals konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung veganer Mahlzeiten in der Kita vor. Diese zeigen: Vegane Mittagsangebote sind möglich, erfordern jedoch besondere Sorgfalt in der Planung. Bis zu drei vegane Mittagsgerichte pro Woche lassen sich problemlos in einen Speiseplan integrieren: Bereits bei einem Angebot von Mischkost und ovo-lacto-vegetarischer Kost nach DGE-Qualitätsstandard kann an bis zu 3 Tagen eine vegane Mittagsmahlzeit auf dem Speiseplan stehen und gleichzeitig können die Kriterien zu Lebensmittelqualitäten und -häufigkeiten eingehalten werden. Das macht rein pflanzliche Speisen auch für Kitas interessant, die nur ab und zu auf tierische Lebensmittel verzichten möchten.
Zu den potenziell kritischen Nährstoffen bei veganer Kost zählen insbesondere:
- Vitamin B12 (Supplementation zwingend erforderlich)
- Vitamin D und Vitamin B2
- Omega-3-Fettsäuren
- Calcium, Eisen, Zink, Jod und Selen
- eine ausreichende und hochwertige Proteinversorgung
Die Ergebnisse der VeChi-Youth-Studie belegen unter anderem, dass vegetarische und vegane Ernährungsweisen im Kindes- und Jugendalter grundsätzlich geeignet sein können – vorausgesetzt, die Lebensmittelauswahl ist sorgfältig geplant und fachlich begleitet.
Lebensmittelauswahl: Nährstoffreich und gut kombiniert
Eine bedarfsgerechte pflanzenbasierte Mahlzeit basiert auf:
- Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölsaaten
- reichlich Gemüse und Obst, bevorzugt saisonal und wenig verarbeitet
- gezielt eingesetzten angereicherten Lebensmitteln, etwa Pflanzendrinks
Besonders wichtig sind clevere Kombinationen:
- Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte erhöhen gemeinsam die Proteinqualität
- Raps-, Lein- oder Walnussöl liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren
- Vitamin-C-reiche Lebensmittel verbessern die Eisenaufnahme
Zutatenlisten und Nährwertangaben pflanzlicher Alternativprodukte sollten dabei stets kritisch geprüft werden.
Nachhaltigkeit und Klima: Mehr pflanzlich, weniger Belastung
Auch aus ökologischer Sicht bietet eine pflanzenbetonte Kitaverpflegung große Chancen. Tierische Lebensmittel sind in der Regel mit einem höheren Ressourcenverbrauch und höheren Treibhausgasemissionen verbunden. Ein pflanzenbasiertes, möglichst saisonales Angebot kann:
- Umweltbelastungen reduzieren
- Biodiversität schützen
- den ökologischen Fußabdruck der Einrichtung deutlich senken
Darüber hinaus spielen auch Aspekte wie Verarbeitung, Lagerung, Transport und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung eine wichtige Rolle.
Fazit: Eine zukunftsfähige Chance für die Kitaverpflegung
Die Veranstaltung machte deutlich: Eine pflanzenbetonte Verpflegung in der Kita bietet große Chancen – für die Gesundheit der Kinder, für den Schutz von Umwelt und Klima und für die Förderung nachhaltiger Essgewohnheiten.
Mit dem DGE-Qualitätsstandard und den aktuellen Empfehlungen stehen Kitas verlässliche Werkzeuge zur Verfügung, um ihr Verpflegungsangebot zeitgemäß, vollwertig und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Die Vernetzungsstelle bedankte sich bei allen Teilnehmenden und der Gastreferentin für die zahlreichen fachlichen Impulse und den konstruktiven Austausch.
