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Appetit auf mehr? Fachgespräch zur Verpflegung an weiterführenden Schulen

"Es gab kaum eine schulische Veränderung, die besser war, als die Sicherstellung der Essensversorgung."

Schon die Anmeldeliste las sich vielversprechend: 36 Teilnehmende, davon knapp ein Drittel pädagogische Fachkräfte und je ca. 20% Ganztagskoordinator:innen, Schulleiter:innen und Lehrkräfte sowie Eltern und Vertreter:innen privater Träger von jeweils gleich vielen Sekundarschulen und Ganztagsgymnasien. Mit diesen Daten begrüßte Anne Breuer von der Serviceagentur Ganztag Berlin die letztlich 22 Teilnehmenden zu dem in Kooperation mit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung veranstalteten Fachgespräch am 09.11.2021.
Nachdem Michael Jäger (Vernetzungsstelle Schulverpflegung) die Rahmenbedingungen für Schulverpflegung in der Berliner Sekundarstufe vorgestellt hatte, skizzierte Sabine Hüseman (Serviceagentur Ganztag) den Kernbereich Schulische Verpflegung als ein Qualitätsmerkmal der im Erscheinen befindlichen „Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule“.

Wie am Hans-Carossa-Gymnasium in Berlin-Gatow das Verpflegungsangebot umgesetzt wird, stellte Schulleiter Henning Rußbült ausführlich und pointiert vor und beantwortete geduldig die vielen Fragen der Teilnehmenden. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen verwies er auf den kompensatorischen Aspekt eines qualitativ hochwertigen schulischen Mittagessens, mit dem ein anderes Essen angeboten werden kann, als es in manchen Familien möglich ist.

Die Fakten vorab:
Schule
- grundständiges, inklusives (geistige Entwicklung) Gymnasium mit offenem Ganztagsangebot
- 1.100 Schüler:innen

Mittagsangebot
- separate Mensa auf dem Schulgelände (Neubau, 2015)
- täglich 3 Menüs im Angebot, Online-Vorbestellung, Abbestellung bis 8:30 Uhr am gleichen Tag
- Essenpreis: 4,60€ (ab 7. Jg.) für Tellergericht, Beilagensalat, Dessert, Getränk (Wasser o. ungezuckerter Früchtetee)

Mittagspause
- 45 Minuten, 5.-7. Jg.: 11:30-12:15 Uhr, 8.-12. Jg.: 12:15-13:00 Uhr
- Zutritt zur Mensa nur für Schüler:innen, die Mittagessen bestellt haben
- zeitlich paralleles aber räumlich getrenntes Cafeteria-Angebot („to go“)

Zahl der (regelmäßigen) Tischgäste
- Jg. 5-7: 180 Schüler:innen
- Jg. 8-12: 160 Schüler:innen
- ca. 15-20% der Lehrkräfte (inkl. Schulleiter)

Als mit dem Beginn der Planungen für den Neubau der Mensa im Jahr 2012 die Frage stand, wie denn das Angebot aussehen und organisiert werden soll, veranstaltete die Schule einen Studientag und lud neben den Lehrkräften auch Schüler:innen und ihre Eltern dazu ein. Gemeinsam wurde beraten und diskutiert, wie die Essenversorgung aussehen könnte, wie die Bedürfnisse der Schüler:innen mit dem Anspruch eines gesundheitsfördernden Angebots in Einklang zu bringen sind und auch, was konzeptionell in den längeren Mittagspausen seitens der Schule angeboten werden soll. In der Rückschau bewertet Schulleiter Rußbült diesen Studientag als Schlüssel zum Erfolg, denn „wenn am Anfang die Sorgen und Nöte aller Beteiligten nicht ausreichend gewürdigt werden, wird es später kompliziert“.
Und er betonte, dass die lange Mittagspause dazu führte, dass insbesondere die Schüler:innen gestärkt und erholt die 7. und 8. Stunde in Angriff nehmen und in diesen wesentlich besser und entspannter arbeiten. Henning Rußbült, selbst Sportler und auf seine Ernährung achtend, geht fast täglich in der Mensa essen und schätzt das Mittagessen als „von erstaunlich guter Qualität für Gemeinschaftsverpflegung“ ein. Damit das so bleibt, gibt es an seiner Schule eine „Mensagruppe“, in der neben ihm weitere Lehrkräfte, Schüler:innen, Eltern sowie der Essenanbieter gemeinsam Speisepläne beraten, Probleme lösen und die Qualität im Auge behalten.
Auch die Kommunikation des Mittagessens ist dem engagierten Schulleiter ein Anliegen. Bereits beim Begrüßungs-Elternabend für die neuen 5. bzw. 7. Jahrgänge weist er auf das Schulmittagessen hin und der Essenanbieter bietet eine Probeverkostung des Gerichts vom gleichen Tag an und hält Vertragsformulare für die Eltern bereit.

Zusammenfassend lassen sich einige Erfolgsfaktoren des Hans-Carossa-Gymnasiums konstatieren: alle frühzeitig mit „ins Boot“ holen, ein differenziertes schulisches Konzept erarbeiten, ein gutes Verhältnis zum Schulamt pflegen, das Angebot gemeinsam im Auge behalten, geschickte Kommunikation des Angebots … und nicht zuletzt: ein wertschätzender gegenseitiger Umgang von Tischgästen und Mensapersonal.

Henning Rußbülts Fazit dieses Entwicklungsprozesses an seiner Schule fällt eindeutig aus:
„Es gab kaum eine schulische Veränderung, die besser war, als die Sicherstellung der Essensversorgung.“

Weitere Informationen:

Hans-Carossa-Gymnasium

Tage der Schulverpflegung 2021

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