Direkt zum Seiteninhalt Zur Hauptnavigation Zur Wurzelnavigation

Studie zu Kinderlebensmitteln: Freiwillige Selbstbeschränkung der Hersteller wirkungslos

Die Verbraucherorganisation foodwatch präsentierte in Berlin zusammen mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Deutschen Diabetes-Hilfe – diabetesDE und der Deutschen Adipositas Gesellschaft ihre Studie „Kindermarketing für Lebensmittel – Freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft (EU-Pledge) auf dem Prüfstand“

 

Lebensmittel für die Marketingmaßnahmen, laut foodwatch, verboten gehören.

Thilo Bode erklärte, dass die freiwillige Selbstbeschränkung der Lebensmittelhersteller, bei Marketingmaßnahmen für Kinder, wirkungslos sei. Im Jahr 2007 hatten zahlreiche Lebensmittelhersteller im Rahmen einer EU-Initiative zugesichert, Regeln für an Kinder gerichtetes Marketing einzuhalten. Nach den Regeln des „EU-Pledge“ ist an Kinder gerichtetes Marketing für jene Produkte erlaubt, die bestimmte Nährwertanforderungen einhalten. Im white papersind diese Kriterien für die verschiedenen Lebensmittelkategorien festgelegt.

Foodwatch wollte überprüfen, ob diese Selbstverpflichtungserklärung dazu geführt hat, dass tatsächlich nur noch ausgewogene Lebensmittel an Kinder vermarktet werden. Die Nährstoffzusammensetzung aller Produkte, die sich in Marketing oder Werbung direkt an Kinder richten, wurde mit den Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation an ernährungsphysiologisch ausgewogene Lebensmittel abgeglichen. Ergebnis: Von insgesamt 281 Produkten im Test erfüllen nur 29 die WHO-Kriterien. 90 % (252) der Lebensmittel sollten nach Meinung der Gesundheitsexperten hingegen nicht an Kinder verkauft werden. Obwohl das sogenannte „EU-Pledge“ bestünde, wurde das an Kinder gerichtete Marketing dadurch nicht verhindert. Der „EU-Pledge“ ist freiwillig. Viele Firmen/Marken beteiligen sich nicht. Eine gesetzliche Regelung würde für alle Anbieter gelten. Thilo Bode mahnte ein: „Die zunehmende Fehlernährung von Kindern schade ihnen in erster Linie selbst, aber langfristig gesehen auch der Gesellschaft“. „Das Bemühen vieler Eltern, um eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder, wird mit raffiniertem Marketing der Industrie torpediert und untergraben“ so Bode. Der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Dietrich Garlichs, merkte an: „Die meisten als Kinderlebensmittel bezeichneten Lebensmittel seien schlichtweg Süßigkeiten". Marketing für solche Produkte müsse per Gesetz eingedämmt werden. Anders lasse sich "die Welle der Fehlernährung und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nicht stoppen", sagte Garlichs. Für Süßwaren werden 100-mal mehr Werbegelder ausgegeben als für Obst und Gemüse. Foodwatch forderte zusammen mit der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft und diabetesDE als Reaktion eine gesetzliche Regelung. Die Vortragenden waren sich einig, dass die Bundesregierung Verantwortung erkennen soll und Werbemaßnahmen von unausgewogenen Lebensmitteln verbieten möge.

Bei der Pressekonferenz am 24.08.2015, im Haus der Bundeskonferenz in Berlin, waren Thilo Bode (foodwatch-Geschäftsführer), Oliver Huizinga (foodwatch-Experte für Kindermarketing), Dr. Dietrich Garlichs (Geschäftsführer Deutsche Diabetes Gesellschaft und Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten) und Dr. Stefanie Gerlach (Leiterin Gesundheitspolitik  – Deutsche Diabetes-Hilfe und Vorstandmitglied Deutsche Adipositas Gesellschaft) anwesend.

Weitere Berichte