Inzwischen zum 23. Mal wurden am 20.01.2026 die besten Schülerzeitungen der Stadt ausgezeichnet. Dazu lud das Kooperationsprojekt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie der Jugendpresse Berlin-Brandenburg (jup!) zur feierlichen Preisverleihung in die Aula der Max-Taut-Schule in Lichtenberg ein. Unterstützt wurde der Wettbewerb vom Medienpartner Tagesspiegel.
Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e.V. beteiligt sich bereits seit 2018 am Wettbewerb mit einem Sonderpreis. In diesem Jahr stand dieser unter dem Motto "Mensa im Stresstest: Zeitdruck, Schlangen, Chaos beim Bestellen?". Der Sonderpreis in Höhe von € 200 ging an die "Havel News" der Havelland-Grundschule in Schöneberg für den Beitrag "Zwischen Vollkorn und Milchreis", der von den Schülerinnen Samira und Livia verfasst wurde.
Der Sonderpreis würdigt Beiträge, die sich kritisch, beobachtend und journalistisch mit Qualität, Abläufen, Rahmenbedingungen und Erfahrungen rund um die Schulverpflegung auseinandersetzen. Der Beitrag der Havel-News erfüllt diese Kriterien in besonderer Weise: Die beiden Autorinnen haben das Gespräch mit ihrem Essensanbieter gesucht und in einem ausführlichen Interview zentrale Fragen zu Speiseplänen, Zutaten, Produktionsweisen, Kostenstrukturen und Mitbestimmungsmöglichkeiten gestellt.
Besonders hervorzuheben ist die journalistisch gelungene Fragestellung sowie der Umstand, dass das Interview gemeinsam vorbereitet und durchgeführt wurde. "Die Autorinnen zeigen Neugier, Sachinteresse und Mut zum direkten Dialog mit einem Akteur der Schulverpflegung", betont Manuela Sorg, Geschäftsführerin der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e. V., in ihrer Laudatio bei der Übergabe des Sonderpreises. Damit greifen sie einen Ansatz auf, den die Vernetzungsstelle selbst mit dem Instrument des sogenannten Mensa-Talks für weiterführende Schulen entwickelt hat. "Umso erfreulicher ist es, diesen dialogorientierten Zugang bereits im Grundschulbereich umgesetzt zu sehen", so Sorg weiter.
Der Beitrag macht deutlich, unter welchen organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen Schulessen entsteht. Gleichzeitig fallen aus fachlicher Perspektive Aussagen des Essensanbieters auf, die Raum für weiteres journalistisches Nachfragen bieten würden. So schwingt stellenweise eine kritische Haltung gegenüber den „Vorgaben vom Senat“ im Rahmen der letzten Ausschreibung mit. Dass diese Vorgaben sich weitestgehend an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ausrichten und sinnvollerweise auf eine gesundheitsfördernde Ernährung von Kindern abzielen, bleibt vom interviewten Caterer unerwähnt. Auch, dass trotz dieser Vorgaben noch viel Spielraum bei der Zubereitung und kulinarischen Ausgestaltung bleibt, die wesentlichen Einfluss auf die Akzeptanz haben.
Um das Thema weiter zu verfolgen, könnten ein Faktencheck zu den verbindlichen Qualitätskriterien durchgeführt oder weitere Mitwirkungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern etwa über den Mittagessenausschuss in Erfahrung gebracht werden. Mittagessensausschüsse sind in Berlin schulgesetzlich für alle Schulen, die ein Mittagessen anbieten, verankert. Beteiligungsformate wie das Wunschessen oder die Zufriedenheitsbefragung sind seit der letzten Ausschreibung für Grundschulen vorgesehen und bieten echte, verbindliche Mitsprache.
Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin e.V. würdigt den Beitrag von Samira und Livia "als engagierten, gut recherchierten und dialogorientierten Journalismus", der Kinder ernst nimmt und ihnen eine Stimme im Thema Schulessen gibt. Die Vernetzungsstelle gratuliert den Preisträgerinnen herzlich zu ihrem gelungenen Beitrag und ermutigt sie, das Thema Schulverpflegung weiter kritisch und neugierig zu verfolgen.
Weitere Informationen:
Schülerzeitung Havel News inkl. prämierter Beitrag ab Seite 20
