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Schulverpflegung muss Chefsache werden! Bundeskongress „Schulverpflegung 2014“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft am 25.11.2014 in Berlin

Im Rahmen von „IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zum ersten Bundeskongress Schulverpflegung eingeladen, um eine bundesweite Studie zur Qualität der Schulverpflegung vorzustellen.

Die Qualitätsverbesserung der Verpflegung außer Haus und damit auch der Schulverpflegung stellt einen zentralen Schwerpunkt des Nationalen Aktionsplanes „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ dar. 6 Millionen Kinder werden inzwischen bundesweit tagtäglich in den Schulen und Kindertageseinrichtungen verpflegt. Angesichts dieser Zahlen folgten der Einladung des Bundesernährungsministeriums zum Bundeskongress „Schulverpflegung 2014“ im Humboldt Carré in Berlin Mitte insgesamt 300 Vertreter/innen aus Politik, Bildung, Wissenschaft und Schulverwaltung sowie  Schulcaterer, Ernährungs- und Gesundheitsexpert/innen, Schulleiter/innen, Lehrer/innen, Vertreter/innen der Eltern und Schülerschaft sowie Medienvertreter/innen.
Das BMEL rief auf dem Kongress eine neue Qualitätsoffensive für ein gesundes Schulessen aus. Hintergrund sind die Ergebnisse einer vom Ministerium beauftragten und von der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) durchgeführten Erhebung zur Qualität der Schulverpflegung in Deutschland, die auf dem Kongress vorgestellt wurden. Bundesweit wurden hierfür Schulleitungen und Schulträger sowie Schülerinnen und Schüler aller Schulformen befragt.

Die 16 Vernetzungsstellen Schulverpflegung der Bundesländer präsentierten sich und die aktuellen Schwerpunkte ihrer Arbeit im Rahmen einer „Ländermeile.“ Auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt  sowie Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, und Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, machten vor Beginn der Veranstaltung einen Rundgang über die „Ländermeile“ und kamen zu den länderspezifischen Themen ins Gespräch. Begeistert zeigten sie sich besonders über den Beitrag der Schülerfirma „Kids-Café“ am Stand  der Berliner Vernetzungsstelle  Die Schülerinnen empfingen die beiden Minister und die Senatorin mit selbstgemachten regionalen und saisonalen Beispielen einer ausgewogenen  Pausenverpflegung. Die Speisen hatten sie am Vortrag beim Workshop „Regional, saisonal, bio“ produziert.

„Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in der Schule etwas Vernünftiges zu essen bekommen“, sagte Bundesminister Schmidt anlässlich der Eröffnung des Bundeskongresses. Leider sei die Qualität des Schulessens nicht immer auf dem gewünschten Niveau und jeder solle sich fragen, wie er dazu beitragen kann, damit Schulessen erstklassig wird. Er betonte die Verankerung von verbindlichen Qualitätsstandards in den Ausschreibungen und sprach sich für Mechanismen zur Qualitätskontrolle aus.

Hans Gärtner, Moderator des Kongresses, führte in die Veranstaltung ein und begrüßte die Teilnehmenden, unter anderem Professor Dr. Ulrike Arens-Azevedo von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die die wissenschaftliche Leitung der bundesweiten Erhebung hatte. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe richtete ein Grußwort an die Teilnehmer/innen und Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, knüpfte daran mit einer Eröffnungsrede an. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres, als Vertreterin der Kultusministerkonferenz, und Reinhard Sager, Vertreter der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, brachten weitere politische Perspektiven ein.

Die Ergebnisse der Erhebung zur Qualität der Schulverpflegung in Deutschland  stellte Prof. Ulrike Arens-Azevedo von der HAW im Plenum vor: „Die Ergebnisse zeigen ein sehr differenziertes Bild der Verpflegungssituation in den Schulen. Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert: Salatbuffets gehören bereits in einem Drittel der Schulen zum Standard, mehr als zwei Drittel bieten kostenlose Getränke zum Essen an. (...) Dennoch sind die Herausforderungen nach wie vor groß. Die Vielfalt des Angebots und die Qualität des Schulessens können häufig noch deutlich verbessert werden.“

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Die Preise für die Mittagsverpflegung schwanken, laut Aussage der Schulträger, zwischen 1,50 und 3,27 Euro in Grundschulen (Durchschnitt: 2,83 Euro) und zwischen 1,50 und 3,68 Euro in weiterführenden Schulen (Durchschnitt 3,05 Euro). Die Zuschüsse von Seiten der Schulträger zum Mittagessen liegen dabei zwischen 0 und 2,50 Euro pro Mahlzeit.
  • Der von den Vernetzungsstellen Schulverpflegung und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Mittagessenausschuss wurde nur von 6,9 Prozent der befragten Schulleitungen als verantwortlich für das Mittagsangebot benannt.
  • Lediglich 39 % der befragten Schulen bieten eine Mittagspause mit einer Dauer von mehr als 45 Minuten an.
  • 77 % der Schulleitungen geben an, Ernährungsprojekte und –unterricht anzubieten. Jedoch sind diese Angebote vielfach nicht wöchentlich fest im Lehrplan verankert, sondern kommen bei 25 % der befragten Schulen nur halbjährlich oder gar jährlich vor.
  • Neben den Schulleitungen und Schulträgern wurden auch über 12.000 Schüler zum Thema Schulverpflegung befragt und sollten ihr tägliches Essen nach Schulnoten bewerten. Die Durchschnittsbewertung lag im Primarbereich bei 2,5 und im Sekundarbereich bei 2,6.

Auf das Land Berlin bezogen ließen sich einige signifikante Merkmale erkennen:

  • Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung ist bei den Schulträgern zu 100% bekannt.
  • Der Anteil der Schüler/innen, die regelmäßig eine warme Mittagsmahlzeit einnehmen, liegt bei 79,2 % und ist damit der höchste im Vergleich der Bundesländer.
  • Berlin ist neben dem Stadtstaat Hamburg das einzige Bundesland, das eine Qualitätskontrolle des Schulmittagessens vertraglich fixiert hat und zudem eine übergeordnete Kontrollstelle einrichten wird. Über die berlinweit einheitliche Musterausschreibung für alle Grundschulen und Förderzentren werden gleiche Rahmenbedingungen für das Schulmittagessen geschaffen.
  • Bei 70,8 % der Berliner Schulen ist der DGE-Qualitätsstandard bekannt und wird auch umgesetzt, weit mehr als in den anderen Bundesländern.

Den Vernetzungsstellen Schulverpflegung fällt bundesweit eine bedeutende Rolle im Qualitätsentwicklungsprozess zu: „Sie bleiben der Dreh- und Angelpunkt unserer Aktivitäten. Wir werden diese Beratungsstellen für Schulträger, Schulen und Schulverpfleger gemeinsam mit den Ländern weiter unterstützen“, so Bundesernährungsminister Schmidt.

In einer einstündigen Mittagspause hatten die interessierten Besucher/innen noch einmal die Gelegenheit über die Ländermeile der 16 Vernetzungsstellen Schulverpflegung zu spazieren. Dort informierten die Mitarbeiter/innen über „Beispiele guter Praxis“, den „Einsatz von regionalen und ökologischen Lebensmitteln in der Schulverpflegung“ oder gaben einen „Überblick über die Beratung, Vernetzung und Information von Schulträgern“.
Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin präsentierte unter dem Titel „Bausteine der Qualitätsentwicklung“  die Neuordnung des Schulmittagessens in den Berliner Grundschulen. Wie Akzeptanzsteigerung gesundheitsförderlicher Verpflegung durch Ernährungsbildung gelingen kann, konnte zeitgleich an ihrem Stand live erlebt werden: Die Schülerfirma „Kids-Café“ der Adolf-Reichwein-Schule in Berlin-Neukölln servierte mit einem „Flying Buffet“ saisonale und regionale Pausensnacks mit Zutaten aus ökologischem Anbau. Neben leckeren vegetarischen Aufstrichen reichten die Schülerinnen selbstgemachte Quiche und verschiedene Kuchenvarianten, die bei den Besucher/innen der Ländermeile sehr gut ankamen.

Die von Prof. Arens-Azevedo präsentierten Ergebnisse der Erhebung wurden in  drei Fishbowl-Runden diskutiert. Die Runden widmeten sich den Perspektiven der in der Studie befragten Personengruppen: den Schüler/innen, den Schulleitungen und den Schulträgern. Als Expert/innen unterstützten Wissenschaftler/innen der HAW ein sowie Vertreter/innen der Vernetzungsstellen Schulverpflegung die Diskussionen.

Kernaussage der abschließenden Zusammenfassung durch Dr. Klaus Heider vom  BMEL, Frau Prof. Arens-Azevedo und den Sprecher/innen der 16 Vernetzungsstellen, Sabine Schulz-Greve aus Berlin und Christoph Bier aus dem  Saarland war: Bund, Länder, Kommunen und Schulen sind auf einem guten Weg beim Thema Schulverpflegung, aber es gilt weiterhin gemeinsam Verantwortung für die Qualitätsentwicklung zu übernehmen. Dabei brauchen die Verantwortlichen und Entscheidungsträger auch künftig den interdisziplinären Austausch und die fachliche Begleitung durch die Vernetzungsstellen Schulverpflegung.

 

Unter diesem Link finden Sie den Kongressband sowie ein Video zum Bundeskongress Schulverpflegung 2014.

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