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Fachtag „Die Mittagsmahlzeit als Chance für Schulentwicklung (nutzen)“

Erster digitaler Fachtag zur pädagogischen Begleitung der Mittagsmahlzeit am 01.12.2020

Die Vernetzungsstelle musste infolge von Covid-19 ihren geplanten Fachtag für Schulleitungen, Lehrkräfte und weitere pädagogische Fachkräfte der Jahrgangsstufen 1-6 von Berliner Ganztagsschulen kurzfristig neu konzipieren und hatte alternativ zu einer Online-Veranstaltung eingeladen. Der Fachtag sollte die Herausforderungen und Chancen herausarbeiten, die sich durch eine gute pädagogische Gestaltung und Begleitung der täglichen gemeinsamen Mahlzeiten im Ganztag ergeben.

Nach der Begrüßung durch Sabine Schulz-Greve, Projektleiterin „Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin“, folgten Grußworte der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie durch Claudine Urban, Fachreferentin für Qualitätsentwicklung in der Ganztagsschule und der Schulmittagsverpflegung, und von Dr. Anke Oepping, Leiterin Nationales Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule. Sie machte auf die guten strukturellen Voraussetzungen aufmerksam, die in Berlin bereits geschaffen wurden, um sich der Gestaltung der Mittagsmahlzeit aus pädagogischer Sicht widmen zu können. Hierzu zählen in der Primarstufe das elternkostenbeteiligungsfreie Mittagessen, eine verbindliche Umsetzung des DGE-Qualitätsstandards sowie die Einrichtung der Qualitätskontrollstelle Schulessen Berlin.

Mit einer digitalen Umfrage, wie viel Zeit den Schüler*innen zum Mittagessen zur Verfügung stünde, wurden die Teilnehmenden in die Thematik des ersten Impulsvortrags eingeführt. Knapp 70 % der Befragten gaben an, dass an ihren Schulen 15-30 Minuten für das Mittagessen zur Verfügung stehen, während es nur bei einem Viertel der Befragten 30-45 Min. sind. Da sich die Realität häufig bei 20 Minuten bewegt, schlugen die Teilnehmenden eine kleinstufigere Abfrage in 10 Minuten-Schritten vor. Der Ende November 2020 neu aufgelegte „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen“ empfiehlt eine Mittagspause von ca. 60 Min. (Gang zur Mensa, Anstehen bei der Essensausgabe, Platzsuche, das Mittagessen selbst, Pflege sozialer Kontakte und Abräumen).

Christian Martens und Sabine Hüseman von der Serviceagentur Ganztag Berlin (SAG) referierten zum Thema „Woher kommt die Zeit zum Essen? – Schulorganisatorische Rahmenbedingungen beim Mittagessen“. Laut der SAG benötigt es stetige Schulentwicklung und Professionalisierung der Ganztagsschulen und ihrer Akteur*innen, um den Kindern einen ganztätigen Lern- und Lebensort zu ermöglichen. Christian Martens erläuterte u.a. mögliche Lösungsansätze für die zentralen Herausforderungen im Umgang mit der Zeit. Wie ein individuelles Mittagsband aussehen kann, schilderte Sabine Hüseman anschließend anhand zweier Grundschulen und verwies auf weitere Materialien und Praxisbeispiele (z.B. auch für größere Schulen) sowie ein interaktives Padlet zum Thema „Mittagessen in Coronazeiten“ auf der Webseite der SAG.

Eine weitere digitale Umfrage schlug die Brücke zum anschließenden Fachvortrag und ergab, dass bei gut 40 % der Befragten nur Erzieher*innen und bei knapp 50 % sowohl Erzieher*innen als auch Lehrer*innen für die Betreuung und Begleitung der Schüler*innen beim Mittagessen verantwortlich sind.

Prof. Dr. Manja Plehn, Professorin für Pädagogik der Kindheit an der SRH Hochschule für Gesundheit in Gera, hielt ihren Fachvortrag zum Thema „Die Mittagspause und Mittagsmahlzeit aus Kindersicht verstehen und pädagogisch professionell gestalten“. Nach einem Exkurs zum Bildungs- und Erziehungsauftrag allgemein, zu Ernährungsbildung und Prinzipien pädagogischen Handelns legte Plehn den Fokus auf die Bedürfnisse der Schüler*innen in der mittleren Kindheit: Bewegung, eigenständige Aktivitäten, Begegnung/Erholung und Kompetenz erleben. Sie veranschaulichte, welches pädagogische Handeln für die Integration des jeweiligen Bedürfnisses in die Mittagspause erforderlich ist. Kinder und Jugendliche können z.B. mittels Partizipation in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Gleichzeitig sollten pädagogische Fachkräfte kindgerechte Strukturen etablieren, mit ihnen professionell interagieren und Bildung ermöglichen.

Es folgte ein anregender Austausch im Plenum, u.a. über den „pädagogischen Happen“, den Fachkräfte während ihrer Arbeitszeit beim Mittagessen gemeinsam mit den Schüler*innen einnehmen sollten (Vorbildfunktion). Außerdem wurde die Problematik des Lärms und der wenigen Zeit diskutiert und wie diese verringert werden kann sowie die Schwierigkeit, in der Mittagszeit Bewegungsdrang und ausreichend Zeit zum Essen unter einen Hut zu bekommen.

Zum Abschluss stellte Brigitte Schulz von der Vernetzungsstelle den „Sensorik-Check“ als Instrument zur praxisbezogenen Ernährungsbildung vor. Bei den vielen Faktoren, die die Qualität des Mittagessens beeinflussen, nimmt der Bereich „Sensorik“ aufgrund des starken Einflusses auf die Akzeptanz einen hohen Stellenwert ein. Mit Hilfe des vorgestellten Instruments können anhand der Kriterien „Aussehen“, „Mundgefühl“, „Geschmack“ und „Gewürze“ einzelne Komponenten mit Smileys sowie von älteren Schüler*innen zusätzlich mit Kommentaren bewertet werden. Das überarbeitete Instrument soll demnächst mit der „Handreichung Mittagessensausschüsse“ auf der Homepage der Vernetzungsstelle zur Verfügung gestellt werden.

Alle Präsentationen des Fachtags stehen unter diesem Beitrag im Bereich „Weitere Informationen“ zur Verfügung.

Der Großteil der Teilnehmer*innen ist an einer Fortsetzung des Themas, z.B. im Rahmen einer Werkstatt, interessiert. Es wird aber auch zu bedenken gegeben, dass die qualitative Umsetzung im offenen Ganztag durch den zeitlichen Rahmen erschwert wird und auch kulturelle Aspekte ein Hindernis sein können.

Dr. Anke Oepping wünscht „der Vernetzungsstelle Berlin sowie vor allen Dingen den Akteur*innen in den verantwortlichen Strukturen und in den Schulen weiterhin einen guten Austausch und gutes Gelingen sowie Durchhaltevermögen, um die jungen Menschen in ihrer Lebenswelt Schule gut zu begleiten“.

Die Vernetzungsstelle bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden und Referent*innen für den informativen Austausch und das große Interesse an der weiteren Zusammenarbeit!

Weitere Informationen:

Präsentation SAG „Woher kommt die Zeit zum Essen?“ (PDF 3,7 MB)

SAG-Materialien und Praxisbeispiele „Schulisches Mittagessen“

Präsentation Prof. Dr. Manja Plehn „Die Mittagspause und Mittagsmahlzeit aus Kindersicht verstehen und pädagogisch professionell gestalten“ (PDF 2,6 MB)

Präsentation Vernetzungsstelle „Instrumente zur praxisbezogenen Ernährungsbildung: Beispiel Sensorik-Check“ (PDF 560 KB)

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