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Fachtag „Allergenkennzeichnung und Umgang mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in der Kita"

120 Teilnehmende – darunter Kita-Träger, Kitaleitungen, Erzieher/innen und Küchenfachkräfte besuchten am 16.03.2016 den Fachtag „Allergenkennzeichnung und Umgang mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten in der Kita", den die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin e.V. in Kooperation mit dem Berliner Landesprogramm "Kitas bewegen - für die gute gesunde Kita“ und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft veranstaltete.

Ziel des Fachtags war es, auf die große Nachfrage, die in Bezug auf die Umsetzung der neuen EU-weit einheitlichen Lebensmittelkennzeichnung im Rahmen der Verpflegung in Kitas besteht, sowie auf den steigenden Beratungsbedarf im Umgang mit Kindern mit Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten zu reagieren. Berliner Kitas wurde themenbezogenes Wissen vermittelt, um sie bei der Kommunikation mit Eltern, Küchenleitungen und externen Anbietern zu unterstützen.

Annette Hautumm-Grünberg von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft eröffnete den Fachtag mit einem Grußwort, in dem sie auf die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Verpflegung in Kitas als Bestandteil des Bildungsbereichs Gesundheit im Berliner Bildungsprogramm hinwies. Auch ging sie darauf ein, dass medizinisch erforderliche Einschränkungen, gemäß Qualitätsentwicklungsvereinbarung Berliner Kindertagesstätten (QVTAG), im Speisenangebot Berücksichtigung finden sollen.

Prof. Bodo Niggemann, Kommissarischer Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, verschaffte den Teilnehmenden einen umfassenden Überblick mit seinem interessanten Vortrag zu„Nahrungsmittelallergien im Kindesalter“.

Anschließend präsentierte Maria Flothkötter, Projektleiterin „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ – Eine Initiative von IN FORM, Handlungsempfehlungen zur Kinderernährung, die unter Beteiligung von relevanten Fachgesellschaften und Berufsgruppen abgestimmt wurden. Es kam zum Ausdruck, wie wichtig einheitliche, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Handlungsempfehlungen im Bereich „Gesundheit“ für alle an Kita Beteiligten sind.

Um das Thema umfassend mit den Teilnehmenden diskutieren zu können, konnte jede/r nach einer Pause zwei Workshops besuchen.

Dr. Lutz Zengerling vom Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt Pankow orientierte sich im Workshop „Allergenkennzeichnung von Speisen in der Kita und ihre Kontrollebei seinem fachlichen Input an den bekannten „W“-Fragen. Er erläuterte, WER, WAS, WIE und WO kennzeichnen muss, um die derzeit geltenden rechtlichen Vorgaben bei der Allergenkennzeichnung zu erfüllen. In der Folge entwickelte sich ein lebhafter Austausch zu Fragen wie „Wer ist in Kita verantwortlich und ggf. haftbar für die korrekte Kennzeichnung: die Küche, die Leitung oder der Träger?“ oder „Wie ist beim gemeinsamen Frühstück, dem mitgebrachten Geburtstagskuchen oder bei Sommerfesten zu verfahren?“.

Im Workshop „Kommunikation mit Elternzum Umgang mit Nahrungsmittelallergien- und unverträglichkeiten“ stellte Karin Rechenberg-Grab, stellvertretende Abteilungsleiterin bei Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH dar, wie sie als Kita-Träger durch Erarbeitung von trägerinternen Standards einen Rahmen für die Verpflegung, inklusive der Allergenkennzeichnung, geschaffen haben. Es wurde deutlich, dass solche Standards sowohl den kitaeigenen Küchen als auch den Pädagogen/innen im Gespräch mit den Eltern helfen. Zu diesen Standards gehört, dass bei Vorliegen von Allergien und Unverträglichkeiten ein Attest eingereicht werden muss. Die eingereichten Atteste seien laut Küchenfachkräften und Erzieher/innen sehr unterschiedlich und die Richtigkeit und Aktualität müssten häufig in Frage gestellt werden.

Im WorkshopPädagogischer Umgang mit Kindern mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergienging Andriana Noack vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung an den „Vier Schritten pädagogischen Handelns“, wie sie im Berliner Bildungsprogramm beschrieben sind, entlang. Sie stellen das Kind in den Mittelpunkt aller Aktivitäten, auch hinsichtlich Unverträglichkeiten und Allergien. Zu den vier Schritten gehören das Erkunden, das Formulieren von Zielen, das Planen und Handeln sowie die Reflektion der vorangegangenen Schritte. Am Beispiel „Hühnerei-Allergie“ wurde die Wichtigkeit dieses Vorgehens deutlich gemacht. Die Teilnehmenden sowie die Workshopleiterin hielten zudem fest, dass Pädagogen, Eltern und die Küche gleichermaßen in den Prozess und die Kommunikation einbezogen werden sollten und dies – neben der Kommunikation zwischen Eltern und behandelndem Arzt - maßgeblich zu einem guten pädagogischen Umgang beiträgt.

Im vierten Workshop „Frühstück und Vesper aus Kita-Hand“ erklärte Änne Fresen, zuständig für das Gesundheitsmanagement bei INA.KINDER.GARTEN, was beim „selbstgemachten“ Frühstück hinsichtlich der Allergenkennzeichnung zu beachten ist. Die Teilnehmenden diskutierten in drei Gruppen, welche Herausforderungen jeweils an die Akteure gestellt werden, wenn das Frühstück erstens in der Kita-Küche vorbereitet wird, zweitens von den Eltern und drittens von den Erzieher/innen bereitgestellt wird. Bemängelt wurde der „Mehraufwand“, der durch die Kennzeichnung entsteht und mit gleichbleibendem Ressourceneinsatz zu bewerkstelligen ist. Lösungsansätze waren hier z.B. mit Checklisten oder einem „Standardfrühstücksplan“ zu arbeiten. Frau Fresen betonte zuletzt noch, dass die Kennzeichnung nicht nur als gesetzliche Vorschrift gesehen werden sollte, sondern Kitas sich zum Wohl der Kinder mit dieser Thematik auseinander setzen sollten. Frau Fresen verteilte unter anderem: Ein Formular zur Information über allergene Zutaten mitgebrachter Speisen.

Am abschließenden Podiumsgespräch beteiligten sich neben Prof. Niggemann die Workshopleiterinnen. Es wurde nochmals der Unmut über unterschiedlich strenge Kontrollen in den Bezirken geäußert. Davon sind vor allem Kita-Träger betroffen, deren Kitas sich in verschiedenen Bezirken befinden. Hier wird eine Vereinheitlichung gefordert.

Es konnte die Empfehlung weitergegeben werden, dass Atteste nicht älter als ein Jahr sein sollten. Dies kann damit begründet werden, dass Kinder im Kita-Alter häufig ihre Allergie „ablegen“ und dann nicht weiter auf Lebensmittel verzichten sollten, auf die sie zuvor allergisch reagiert haben. Bezüglich der Atteste wurde zudem die Forderung nach einer Standardisierung formuliert, mit dem Ziel, den Kitas, insbesondere den Küchen, den Umgang mit den Attesten zu erleichtern.

Darüber hinaus bestand Einigkeit, dass neben der Sensibilisierung für das Thema, Wissensvermittlung und Fortbildungen für Erzieher/innen und Küchenfachkräften für die Kommunikation, vor allem mit den Eltern, einen Schlüssel für ein gelingendes Allergen-Management darstellen.

Sandra Tobehn, Vernetzungsstelle Schulverpflegung, stellte im Ausblick vor, zu welchen Veranstaltungen und Fortbildungen die Vernetzungsstelle in Kürze einladen wird, unter anderem werden Fortbildungen in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Berlin e.V. zur Verpflegung der unter 3-jähringen mit Schwerpunkt Allergenmanagement für Erzieher/innen und Küchenpersonal angeboten.

Im Namen der Vernetzungsstelle dankte Sabine Schulz-Greve abschließend für den engagierten Austausch allen beteiligten Akteuren.

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