Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin e.V.

Kurzvorstellung des Teilprojekts von „Kitas bewegen“: „Steigerung der Verpflegungsqualität in Kitas – Implementierung der Qualitätsstandards der DGE für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder“

Die Kooperationspartner AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Bertelsmann Stiftung und Vernetzungsstelle Schulverpflegung Berlin e.V. führten im Rahmen des Projekts „Kitas bewegen“ das oben genannte Teilprojekt im Zeitraum Frühjahr 2010 bis Herbst 2011 in der Modellregion Berlin-Mitte durch.
Übergeordnetes Ziel des Teilprojekts ist die Stärkung der institutionellen Verantwortung von Kita-Trägern und Kitas für einen ganzheitlichen Qualitäts- und Organisationsentwicklungsprozess zur nachhaltigen Steigerung der Verpflegungsqualität in Kindertageseinrichtungen.

Die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder dienen dabei als aktuelle Empfehlung und Grundlage zur Arbeit in den Einrichtungen.
Die leitende Fragestellung im Teilprojekt war: Welche Hilfestellungen benötigen Kita-Träger und Kitas zur selbstständigen Umsetzung der DGE Qualitätsstandards?

Im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes wurden als Referenzrahmen, neben den Standards, das Berliner Bildungsprogramm, die Berliner Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita-Konzeption und die Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertagesstätten (QV TAG) berücksichtigt.
Die Projektleitung lag bei der Vernetzungsstelle. Wissenschaftliche Projektbeauftragte war Dipl. oec. troph Dorle Grünewald-Funk.

Vorgehensweise
Um einen Überblick über die Strukturen und die Verpflegungssituation der Teilnehmer-Kitas zu gewinnen und ihren Unterstützungsbedarf zu ermitteln, wurde in der ersten Projektphase eine IST-Analyse der Verpflegungssituation mittels Fragebogen durchgeführt, bei der Kita-Leitungen und Träger Auskunft gaben.
26 von 38 Kita-Leitungen nahmen an der Befragung teil sowie 10 von 19 Trägern; ergänzend zum Fragebogen wurden 16 Speisenpläne eingereicht, die hinsichtlich der quantitativen Zusammensetzung analysiert werden konnten. Die Befragung ist nicht repräsentativ. Im Anschluss an die IST-Analyse konnten sich interessierte Teilnehmer-Kitas zusammen mit ihrem Träger bewerben, um im Rahmen des Projekts gemeinsam und mit Begleitung durch die wissenschaftliche Projektbeauftragte am Thema „Essen und Trinken in der Kita“ zu arbeiten und ein Umsetzungskonzept für die DGE Qualitätsstandards partizipativ zu entwickeln und zu erproben.

Auf Basis der Ergebnisse der IST-Analyse wurden drei der Bewerber-Kitas ausgewählt, die sich hinsichtlich folgender Kriterien unterscheiden:
- Trägerschaft (Eigenbetrieb Berlin, gemeinnütziger Träger, Elterninitiativ-Kita)
- Größe der Einrichtung
- Verpflegungssystem
- sozioökonomische Struktur der Kita-Familien.

Damit sollte sichergestellt sein, dass die Bedürfnisse und der Beratungsbedarf unterschiedlich strukturierter Kitas berücksichtigt werden und das zu entwickelnde Konzept dem Anspruch nach Übertragbarkeit gerecht wird.

In allen drei Kitas wurde ein „Runder Tisch“ als Kommunikationsplattform gegründet, an dem Trägervertreter, Kita-Leitung, pädagogische Fachkräfte, Küchenfachkräfte (bei selbstkochender Kita und Kita mit Trägerküche) und Elternvertreter teilnahmen.
Der Projektverlauf in den Kitas orientierte sich methodisch an den sechs Schritten des Qualitäts- und Organisationsentwicklungskreislaufs von „Kitas bewegen“:
1) Gemeinsames Verständnis entwickeln
2) Transparenz schaffen, Ausgangspunkt bestimmen
3) Stärken und Entwicklungsfelder benennen
4) Ziele setzen
5) Maßnahmen festlegen und umsetzen
6) Ergebnisse überprüfen und Entwicklung fortsetzen.

Das gemeinsame Verständnis wurde über die Methode „Zunkunftswerkstatt“ zuerst als Vision formuliert; dann mit Hilfe der DGE Qualitätsstandards  konkretisiert.
Die Ergebnisse der IST-Analyse wurden mit den Teilnehmenden der „Runde Tische“ aufbereitet, ergänzt und diskutiert. Es hat sich bewährt in drei Handlungsfeldern zu arbeiten: Verpflegungsangebot, Ernährungsbildung und Kommunikation.

Für jedes Handlungsfeld leiteten die Teilnehmenden aus der IST-Analyse Stärken und Schwächen (= potentielle Entwicklungsfelder) ab, formulierten Ziele und planten Maßnahmen. Von Beginn an wurde Wert darauf gelegt, dass es sich um nachhaltige, strukturbildende Maßnahmen handelt.
Nach einem halben Jahr fand ein gemeinsames Reflexionstreffen der Teilnehmenden der „Runden Tische“ aller drei Kitas statt. Sie stellten sich gegenseitig ihre Einrichtungen und Entwicklungsprozesse im Rahmen des Projekts vor und hatten damit die Gelegenheit, bei der Reflexion Erfolgsfaktoren und Stolpersteine zu erkennen, weiterzugeben und die begonnene Entwicklung fortzusetzen bzw. gegebenenfalls anzupassen.

Zentrale Ergebnisse der Entwicklungs- und Erprobungsphase in drei Kitas:
Die DGE Qualitätsstandards werden von den Kitas als verständlich und hilfreich beurteilt. Die Gründung eines Gremiums mit Vertretern des Trägers, der Kita-Leitung, der pädagogischen Fachkräfte und der Küchenfachkräfte sowie der Eltern, eine partizipative Vorgehensweise und die Orientierung am Organisations- und Qualitätsentwicklungskreislauf der guten gesunden Kita sind für eine nachhaltige Umsetzung zu empfehlen.

Leitfaden und Handlungsempfehlungen
Auf Basis der beschriebenen partizipativen Erprobung eines Organisationsentwicklungsprozesses in drei Kitas entstand im Projektverlauf ein angepasstes Konzept zur Umsetzung der DGE Qualitätsstandards.
Dieses Konzept wird weiteren Kitas in Form eines Leitfadens unter dem Titel „Essen und Trinken in der guten gesunden Kita – Qualitätsstandards umsetzen“ ab Ende 2011 zur Verfügung gestellt. Der Leitfaden wird neben dem Umsetzungskonzept konkrete Handlungsempfehlungen für Kitas und Träger beinhalten.
Kernstück des Umsetzungskonzeptes ist ein Fragebogen zur Bestandsaufnahme in den drei Handlungsfeldern. Der Bericht umfasst zudem alle Arbeitshilfen, die für die weiteren Schritte der Qualitäts- und Organisationsentwicklung in der Kita benötigt werden.

Ausblick
Um das Konzept weiter zu optimieren, wird die Vernetzungsstelle im Rahmen ihres IN FORM Projektes die Umsetzung der Standards in weiteren Kitas erproben und evaluieren.
Die Kooperationspartner AOK Nordost und Bertelsmann Stiftung haben auch für die künftige Arbeit mit den Ergebnissen des Projektes ihre Unterstützung zugesagt.

Quellenhinweise:
- DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG E.V. (HRSG.) (2009): Qualitätsstandards für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder. Eigenverlag, Bonn
- BERTELSMANN STIFTUNG (HRSG.) (2009): Kitas bewegen! Für eine gute gesunde Kita., Gütersloh 
- SENATSVERWALTUNG FÜR BILDUNG, JUGEND UND SPORT (HRSG.) (2006): Das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt, Berlin
- SENATSVERWALTUNG FÜR BILDUNG, JUGEND UND SPORT (HRSG.) (2008): Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertagesstätten (QV TAG), Berlin
- SENATSVERWALTUNG FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG (HRSG.) (2009): Bildung für Berlin. Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Kita-Konzeption auf Grundlage des Berliner Bildungsprogramms, Berlin

Berlin, Oktober 2011